Fahrtberichte
 

53e Coupe Aèronautique Gordon Bennett Genève 04.-12.09.2009

      Aus dem Schatten des Mont Blanc in die Sonne Sardiniens mit dem Gasballon       Team Deutschland III Bepperl Höhl und Georg Sellmaier

 

Seit Februar dieses Jahres wussten Georg und ich, dass wir am diesjährigen Gordon Bennett Rennen teilnehmen durften und genauso lange waren wir damit beschäftigt, vorzubereiten, abzunehmen und zu trainieren.  

Dann war es soweit, Anfahrt am Freitag morgens um 1 Uhr nach Genf über Lindau, Zürich und Bern. Schon am Montag davor hatten wir Ballon und Rennkorb aus Augsburg mitgenommen und der Korb wurde in Straußdorf komplett eingerichtet und ausstaffiert. Nachdem wir laufend unter der Woche Wetter gerechnet hatten, wussten wir, in welche Richtung es aller Vorraussicht nach gehen würde.

Wir trafen um 9 Uhr morgens im Hotel Ramada Encore in Genf ein und erhielten leider erst unsere Zimmer um 14 Uhr. Dazwischen war die Anmeldung im Headquarter um 10 Uhr und leider musste ein Teil der Crew in einem anderen Hotel untergebracht werden. Nur 2 Zimmer waren im Ramada. Florian, Bepperls Sohn und Bernhard und Christine Mohr logierten im Holiday Inn am Flughafen Genf. Matthias Höhl und Kathrin Reiter waren mit uns im Hotel.

Um 15 Uhr war das Eröffnungsbriefing mit ersten Informationen und Wetterdaten. Die Entscheidung für einen Start war auf Samstag abend ca. 22 Uhr gefallen und der Countdown nahm seinen Anfang. Gegen 18 Uhr war das gemeinsame Abendessen zur Eröffnung angesetzt und das 1. Feldbriefing in Vessy am Sportcenter, dem Startfeld, wurde auf 10 Uhr gelegt. Währenddessen füllte unsere Crew am Samstag dann den Ballast-Sand, 50 kleine Säcke und 60 große ( a 10 kg und 18 kg). Dann legten wir nach dem Briefing gemeinsam unseren Ballon aus und machten ihn füllfertig. Wir hatten die Start-Nr. 14 zugelost bekommen von den beiden Glücks-Feen Nicole Haggeney und Sabrina Handl. Als wir dem AmerikanischenTeam von Andy Cayton/Sam Canders beim Aufrüsten zusahen, legten wir mit Hand an und halfen mit einer Aufrüstdecke aus, um ein Sitzen auf der Hülle auszuschließen. Das US-Team war dankbar für die Demo. Danach legten Georg und ich uns im Anhänger schlafen für 5 Std. um ausgeruht dann den Füllvorgang zu überwachen. Das Zuschauerinteresse war riesig, was den ganzen Tag über mit einer Airshow von Hubschraubern, Heißlüftern, Flugzeugen etc. begleitet wurde. Die beiden Briefings um 14:30 Uhr und um 20 Uhr waren kurz und bündig. Die Handzettel über Wetter und Trajektorien ergaben wenig Änderung zu dem bereits Bekanntem. Leider wurde dabei auch ein Nachtfahrverbot für Italien auf den Tisch gebracht, was zur Folge hatte, dass eine Fahrt nach Griechenland oder auf Griechische Inseln nicht mehr möglich sein konnte! Auch wurde klar gemacht, dass eine Landung in Algerien oder sonst wo in Afrika außerhalb des Wertungsgebiets lag und zur Disqualifizierung führte! 

Der Start erfolgte pünktlich um 22 Uhr 15 min und alle 3-5 min. wurde unter dem Klang der jeweiligen Nationalhymne der Ballon samt Piloten in den nächtlichen Vollmondhimmel geschickt. Es ist ein erhebender Moment, in solcher Art verabschiedet zu werden. Doch sofort beginnt die Arbeit an Bord. Transpondercode und Funkfrequenz für Genf ATC waren gerastet und 2 min nach Abheben erfolgte die Anrufung von Genf Control mit der Startmeldung.Wir werden sofort an die Radarfrequenz übergeben und bereits nach 1 Std. sind wir an Lyon Control weitergegeben. Die Landschaft an der Rhone und Isere erfordert mit ihren Bergen höchste Konzentration, zumal mächtige Leewalzen hinter den Berggipfeln den Mistral ansagen. Mit Tomas Hora haben wir noch zusätzlich Funkkontakt, was sehr hilft, da er als 3. gestartet war. Die helle Nacht gibt uns die Möglichkeit, einen Teil der vor uns gestarteten Ballone zu erkennen und auch die beiden hinter uns gestarteten. Sie fahren etwas tiefer als wir und ziehen in Richtung Süden nach rechts weg. Wir erkennen schemenhaft den Montag Blanc und überqueren die Rhone und Isere. Auf Höhe von Grenoble entscheiden wir nach Blick auf die ICAO-Karte uns eine Freigabe für Flugfläche 100 und dann 120 zu holen. Die Berge links von Grenoble haben Hindernisse von FL 110 und wir schaffen es an diesen vorbeizukommen.

Gegen 4 Uhr werden wir an Marseille Control weitergegeben und verabschieden uns von Tomas, da der Funk immer schächer wird. Gegen 6 Uhr bricht die Tagesdämmerung an und wir haben den ersten Blick auf das Mittelmeer im Süden. Traumhaft ist der Sonnenaufgang gegen 7 Uhr mit rötlichen Profilen des Mont Blanc (4807m), der Barre des Ecrins (4102 m) und der Dauphine (3440 m ). Wir fahren plangemäß in Richtung 140° bis 165° nunmehr auf die Hafenstadt Toulon zu, überqueren dabei das Urstromtal der Durance und erkennen die Schluchten der Verdon. Grandios ist der Blick voraus auf die Cote d`Azur und die Häfen von Toulon bis Marseille. Wir erhalten die Freigabe zum Hinausfahren auf das Mittelmeer und überqueren direkt den Hafen von Toulon. Nach 1 Std. über Wasser haben wir auch einen Herrlichen Blick zurück auf das europäische Festland, dann verhindert der Meeresdunst die Landsicht.

Einsam ziehen wir weiter, ohne Schiffe zu sehen und melden uns weisungsgemäß alle 30 min bei Marseille Control. Vier Stunden vor unserer Landung sehen wir die Fähre Barcelona Puerto Torres und einen Tanker unter uns und auf dem GPS erscheint die Küste von Korsika und der Nordzipfel Sardiniens. Als dann auch die östliche Koordinate endlich 8° überspringt, wissen wir, dass es an die Küste Sardiniens reichen könnte. Von 46 Sack Ballast (à 10 kg Sand) und 25 ltr Wasser, die wir mitgenommen hatten, waren uns noch 20 Sack und 5 ltr geblieben. Inclusive Notballast eine sichere „Bank“ um den griechischen Peleponnes erreichen zu können.  

Doch das VFR Nachtfahrverbot für Italien verhinderte eine Weiterfahrt. Nach fast 3 Std. paralleler Fahrt zur Küste landen wir gegen 20 Uhr, direkt zum Sonnenuntergang im Küstengebirge des Capo Frasca bei Puerto Palma auf Sardinien in einem Steiltal sicher, nachdem wir aus Flugfläche 127 mit 5 m/s abgestiegen waren, ca 100 m von der Küstenstrasse der Region Arbus entfernt. Zwei Bauern werden zufällig dabei unsere Landezeugen und helfen uns bei schnell einbrechender Dunkelheit, den Korb auszuräumen und die Hülle quer zu legen.  

Eine laue Vollmondnacht auf dem ausgeräumten Ballon-Korbboden mit dem Duft von Rosmarin und Thymian gibt diesem Abenteuer trotz vieler Mückenstiche noch einen Glanzpunkt.Per Handy meldeten wir unsere Landung 3 min später an unsere Verfolger-Crew auf der Fähre von Genua nach Puerto Torres und an das Headquarter in Genf weisungsgemäß. Das Lied der Mücken jagenden Schwalben singt uns in den verdienten Schlaf. Georg fing früh am Morgen an, Schlepptau, Säcke etc. einzusammeln und als wir auf unserer Bank aus dem Korb das reichliche Frühstück zu uns nehmen, entdecke ich in 1,5 km Entfernung bei einem Bauernhof einen Traktor. Georg schickt mich dann hinüber zu diesem Hof von unserem Landezeugen. Dessen Mutter empfängt mich sehr herzlich und gibt mir einen Espresso besonderer Art. Wir rufen über das Tal hinweg Georg zu kommen und gehen zu Ihrem Sohn Giacomo, der die Tiere (180 Ziegen, 80 Schafe, 16 Schweine, 2 Kühe, 6 Hunde und eine Katze) versorgt und mir verspricht, gegen ½ 11 Uhr mit dem Traktor zu helfen. Pünktlich kommt er von den Tieren, ich verbinde ihm noch seinen linken Fuß mit einem Salbenverband und dann fahren wir mit dem Allrad-New-Holland und dem Anhänger von oben nach unten den 45° steilen Landehang hinunter zu Korb und Hülle.

Wir legen zuerst alle Gegenstände, dann den Korb auf die Ladefläche und zuletzt heben wir Stück für Stück die Hülle vom Boden auf den Hänger, wobei wir das Ventil nach oben legen. Dann fährt Giacomo ins Tal und auf der Gegenseite wieder hinauf zur Straße. Oben angekommen stellen wir das Gefährt in eine Ausbuchtung und telefonieren mit den Verfolgern. Diese Waren laut Navigationssystem nur noch 2 km von uns weg und tauchten dann sehr schnell auf der Anhöhe auf. Ich ließ Matthias rückwärts an den Anhänger fahren und wir legten als erstes die Hülle auf die Plane im Anhänger, schoben sie ganz nach vorne und dann kam der Korb dahinter. Alle anderen Sachen gingen in den Korb und die Leerräume. So schafften wir es in 15 min alles im Hänger zu haben und verabschiedeten uns von Giacomo, der kein Geld an-nahm, sich jedoch riesig über mein Schweizer Taschenmesser freute, dass er am Abend schon in Aktion bewundert hatte. Auch schenkten wir ihm eine Ballonpostkarte.  

Nun machten wir uns auf den Weg zur Südspitze Sardiniens, wo wir noch zwei Nächte beim Baden im 30° C warmen Meerwasser verbrachten und unsere Ballonpost fertig stellten. Diese gaben wir dann bei der Rückfahrt nach Puerto Torres in San Luri, in der Region Arbus, auf dem Postamt ab und verbrachten noch eine Nacht in der Universitätsstadt Sanssari. Mit der Nachtfähre nach Genua verliessen wir Sardinien und nach Ankunft in Genua am Morgen fuhren wir über den Mont Blanc Tunnel zurück nach Genf. Im gleißenden Mittagslicht strahlte der Gipfel des Mont Blanc, als wir nach der Tunneldurchfahrt am Parkplatz Halt machten.  

Um drei Uhr Nachmittags trafen wir dann in Vessy auf dem Sportgelände ein und legten am Platz des Aufstiegs in 15 min.unsere Ballonhülle zusammen. Dann fuhren wir ins Hotel Ramada Encore und gingen zum Debriefen um 17 Uhr. Anschließend machten wir uns auf den Weg in die Innenstadt von Genf und genossen ein hervorragendes Abendessen in einem Lokal an der Wasserfront des Lac Leman.  

Die Siegerfeier war nach dem gemeinsamen Debriefing um 10 Uhr für die Mittagszeit anberaumt und alle gaben sich die Ehre, bis auf das Team Hemplemann-Adams/Carey, dem Sieger des Vorjahres. Wir freuten uns, bestes Deutsches Team zu sein mit dem 8. Platz und danken allen, die uns geholfen und die Daumen gedrückt haben: Matthias, Florian, Marianne Höhl, Kathrin Reiter, Bernhard und Christine Mohr, unsere Crew, das Headquarter in Genf mit Markus und Nicole Haggeney, Stefan und Sabrina Handl, Mike Reichert ATC und nicht zu vergessen unseren „Wetterfrosch“ Petra Koch. Auch danken wir sehr herzlich unseren Ballonvereinen FVA Augsburg und FBC SI Burgkirchen, sowie dem DFSV und Warsteiner.  

Daten: Luftlinie 751, 515 km; Fahrtlinie 932,674 km; Dauer 20:50 h; Höchsthöhe 15.754 ft;            Durchschnittsgeschw. 47,026 kmh; Höchstgeschw. 61,349 kmh; Autostrecke 3.220 km plus Fähren Genua – Puerto Torres - Genua


 
   
 
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